Stadtgeschichten März 2026
Irgendetwas ist anders in der Straße „An den Brodbänken / Rosenstraße“. Es ist ein anderes Gefühl, wenn man von der Bäckerstraße Richtung Hafen abbiegt. Irgendwie vertrauter, bunter, wärmer. Ich habe nachgeforscht, um die Gründe herauszufinden.
Wie immer geht es zuerst ins Stadtarchiv, schauen, wie es früher hier aussah (Fotos 1, 2, 8). Auf dem Bild links stehen Brote und Töpfe mitten auf der Straße auf Bänken aufgereiht – die Brodbänke. Die Häuser und der Blick auf’s Rathaus sind ganz vertraut. Hier ist vieles so geblieben, wie ich es aus meiner Kindheit kenne. Nicht nur die Häuser, sondern auch die Geschäfte. Namen, die zu Lüneburg gehören, und Waren, die man immer dort bekommen hat.


Ich beginne beim Juwelier Süpke, gegründet 1906, gegenüber das Zigarrenhaus Niemeyer, gegründet 1907, Karstadt /Galeria feiert 2027 sein hundertjähriges Jubiläum, Uhrmachertradition im Haus Artus Knabe seit ca. 90 Jahren (rechts), Rothardt Lederwaren, gegründet 1902, Mundinus Eisenwaren, gegründet 1927, Bäckerei Völsch gibt es seit 1953 und das Wollhaus Knake feiert gerade seinen 80 igsten Geburtstag. Was für ein Schatz an Lüneburger Kaufmannstradition auf wenigen hundert Metern. Wie können die Geschäfte so lange in der Stadt bestehen?
Auch hierauf habe ich eine Antwort gefunden: Durch Fachkenntnisse und ein besonderes Sortiment! Beratung statt Selbstbedienung, sehr gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Lüneburger, die ihre Stadt und ihre Kunden kennen. Die Menschen und ihre Geschichten haben mich wieder optimistisch werden lassen, was den Lüneburger Einzelhandel betrifft. Sie werden staunen:
So hat z. B. der Seniorchef der Rothardt Lederwaren 1902 mit dem Verkauf von selbst genähten Regenschirmen begonnen (oben ein aktuelles Exemplar). In damaligen Zeiten der Pferdekutschen waren Reisekoffer und -Taschen noch nicht so gefragt. Heute umso mehr.


Feinuhrmachermeister Artus Knabe (rechts) hat dieses Kirchenuhrzifferblatt erhalten. Es wurde auf einem Dachboden gefunden. Zu bewundern in seinem schönen Geschäft. Der ALA freut sich sehr darüber. Vielen Dank!
Für handwerklich unbegabte Menschen wie mich ist die Firma Mundinus oft die letzte Rettung. Ohne Fachberatung geht es bei mir nicht. Und glücklicherweise ist die Zukunft des Geschäftes gesichert. Herr Mundinus Junior wird den Traditionsbetrieb fortführen.



Ich besuche die Bäckerei Völsch auf der anderen Seite. Mittagszeit. Es ist viel los in dem Geschäft. Die Kunden wissen, dass es hier Brotspezialitäten gibt. Gerade wird Lüneburger Roggenbrot verlangt. Kaufe ich dann auch gleich. Es duftet später wunderbar in meiner Küche. Natürlich möchte ich die Brote und die freundlichen Verkäuferinnen auch ablichten. Sie erlauben es.
Nebenan sah es früher so aus (links) und heute so (rechts): 1902 gab es ein Obst- und Gemüsegeschäft in dem alten Gemäuer (16. Jh.), jetzt ist das Restaurant – Pizzeria „Buona sera“ draus geworden. Bei meinem Fotobesuch wurde ich mächtig abgelenkt. Neben mir kreierte der Pizzabäcker eine Pizza, die war so lecker! Wie gut, dass es hier kein Fastfood sondern echtes Handwerk gibt. Vergrößern sie das Foto unten auf 200 Zoom. So sieht Qualität aus.


Der Pizzabäcker – er kann es! Ich überlege jetzt, ob ich nicht doch wieder nach Italien reisen sollte. Da passt es gut, dass gegenüber ein Reisebüro ist. Ich frage nach einem Katalog und erzähle, dass ich über die alten Geschäfte und das alte Fachwissen berichten will. Da das Tui-Reisebüro mit 17 Jahren noch recht jung ist, punktet die Filialleiterin mit Fachwissen: Die 8 Mitarbeiterinnen (5 auf dem Foto) können mit 184 Jahren Berufserfahrung aufwarten. Wow, das ist kaum zu toppen. Und passt perfekt in diese Straße. Da lässt man sich doch gerne beraten.



Eigentlich sollte mein Rundgang hier enden. Da entdecke ich ein ganz neues Geschäft: „Der Lederschmied“, der auch ein Gürtelmacher ist. Ein in Deutschland aussterbendes Handwerk! Als Ausrichter der „Handwerkerstraße“ freuen wir uns darüber besonders. Wir wünschen dem Lüneburger Alexander Dorow viel Erfolg.
Natürlich kamen bei meinem Rundgang auch Probleme und Sorgen zur Sprache. So sucht das Wollhaus Knake dringend Verstärkung und eine Geschäftsfrau wünscht sich von der Stadt einen Blumenkübel mit Stadtwappen in der Rosenstraße. Liebe Stadt, habt ihr noch einen Kübel in Reserve und ein paar bunte Blumen? – Es gibt noch mehr ganz besondere Geschäfte in dieser Straße, zum Beispiel den „Contigo fairtrade shop“, das „bee happy“ mit Lüneburg- und Heideartikeln und das Spielwarengeschäft „Heldenherz“. Nun sind Sie an der Reihe weiter zu entdecken, denn ich habe noch ein ernsteres Thema, zu dem ich schreiben möchte.
Aus gegebenen Anlässen wird mir immer mehr bewusst, wie gut wir es haben, in einer Demokratie zu leben. Wir können unsere Meinung offen sagen, kontrovers diskutieren, demonstrieren, Leserbriefe schreiben, uns politisch engagieren. Nutzen wir dieses Grundrecht auch in unserer Stadt! Ich bin Mitglied im Bürgerverein und der Bürgerverein ist Mitglied im ALA. Jedes Jahr können Bürgerinnen und Bürger Lob, Kritik und Verbesserungsvorschläge einreichen und der Bürgerverein erstellt daraus die Rot-Blau-Weiße Mappe, die der Oberbürgermeisterin zur Stellungnahme eingereicht wird. Am 30.06.26 Juni findet dann eine öffentliche Veranstaltung statt, in der die Mappe überreicht wird und die Stellungnahmen vorgetragen werden. So haben Sie – ohne Namensnennung – die Möglichkeit, Ihre Meinung zu sagen (bis zum 10.04.26) und Antworten zu bekommen. Hier ist der Link zur Beteiligung: mail@buergerverein-lueneburg.de.


Eine weitere Möglichkeit der Bürgerbeteiligung ist die Teilnahme an der diesjährigen Stadtkonferenz am 09. Mai 2026. Alle Ehrenamtlichen und Interessierte sind herzlich eingeladen. Es ist immer besser, live dabei zu sein als später aus zweiter Hand informiert zu werden. Wenn Sie sich nicht trauen, dann treffen wir uns in der Leuphana und nehmen gemeinsam Teil. Ich bin da und begleite Sie. Hier ist das Anmeldeformular.
In jedem Fall schon mal ein Lob für die Stadt für ihre kreativen Sparmaßnahmen bei leeren Kassen: Zur Osterdeko im hübschen Hinterhof hinter der Tourist-Information dient der Weihnachtsbaum mit Ostereiern vom letzten Jahr. In diesem Sinne frohe Ostertage wünscht
Magdalena Deutschmann
stadtgeschichten@alaev-lueneburg.de
c/o ALA, Untere Ohlingerstraße 7,
21335 Lüneburg,
Telefon Montags 15-17:00 Uhr 26 77 27
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