„Ehrenamt im Wandel“. Eindrücke von der StadtKon 2026.
Am 9. Mai war ich zum ersten Mal auf der Lüneburger Stadtkonferenz; nicht mit einem Stand oder als Redner, sondern als einfacher Teilnehmer aus dem Kreise des ALA. Um zu sehen, was das Ehrenamt in Lüneburg so treibt, wie andere Vereine sich darstellen, und ob es sich lohnt, dort als ALA mal aufzutreten. Hier also mein sehr persönlicher Eindruck aus ALA-Sicht:
Die Messe:
Über 50 Stände vieler bekannter und für mich neuer Vereine vermitteln alles mögliche an wichtigen Themen von Sport bis „Blaulicht“, von Senioren- bis Frauenrechten, von Umwelt bis Stadtplanung, von Bildung bis Gesundheit – in Lüneburg wird definitiv viel angeboten, um sich vielfältig zu engagieren!
Später im Vortrag erfährt man durch eine Live-Befragung aller Teilnehmer: 93% vor Ort sind schon ehrenamtlich beschäftige, nur 7% noch nicht. Da sind also deutlich mehr Anbieter als Suchende unterwegs, das Ganze ist wohl eher eine Fach- als eine Besucher-Messe. Vor allem tummeln sich Stand-Besatzungen, Vereinsmitglieder und bereits Ehrenamtlichen an den Ständen.
Unter diesem Aspekt würde der ALA mit einem Stand auf der Messe nur schwer neue Mitglieder gewinnen: zu wenig Suchende vor zu vielen attraktiven Angeboten! Andererseits könnte man dort eine sichtbare Präsenz des ALA im Kreis der Mitbewerber schaffen …
Die Vorträge:
Die Begrüßung durch Claudia Kalisch ist ein dem Anlass angemessener und durchaus wertschätzender Vortrag. Der Stadt ist offenbar bewusst, was sie an „ihren“ Ehrenamtlichen hat, sie bietet ja auch einiges an zumindest organisatorischer Unterstützung.
Die Professorin Wiebke Riekmann macht dann in wenigen knackigen Thesen (Ihr inspirierender Vortrag ist Teil des unten verlinkten Videos) deutlich, wie wichtig Ehrenamt für die eigene und die Teilhabe der Gesellschaft ist. Für die eigene Zufriedenheit und auch für eine funktionierende Demokratie. Sie thematisiert auch, wie schnell die Grenze überschritten wird, so dass bürgerliches Engagement eigentlich notwendige städtische oder staatliche Aktivität ersetzt – als praktischer Lückenbüßer.
Spannend ist die Tatsache, dass durchaus vor allem Junge Menschen (14 bis 29 Jahre) sich in letzter Zeit eher stärker (nämlich mit etwa 40%) als noch 2004 für gesellschaftliche Themen und damit für Andere engagieren. Das widerlegt den Eindruck, dass „die Jugend“ sich ja um nichts mehr kümmere und macht Hoffnung, dass es Nachwuchs für Vereine und Projekte gibt. Eine gute Nachricht auch für den ALA!
Die Diskussion:
Das Podium ist abwechslungsreich repräsentativ besetzt: Sport, Integration, Kirche, Jugend, Sozial- und Umwelt-Enagagement waren vertreten und lieferten interessante Einsichten. Spannende Persönlichkeiten mit einem gemeinsamen Interesse: Fähigkeiten und Engagement zu finden, zu fördern, zu fabrizieren.
Durchaus vorstellbar, in so einer Runde auch mit einem der hellen Köpfe des ALA vertreten zu sein beim nächsten Mal …
Hängen bleibt eine Zahl der Regionalbischöfin Marianne Gorka: auf einen angestellten Mitarbeiter der Kirche kommen 3,7 ehrenamtliche – das macht deutlich, wie sehr freiwillige und kostenlose Arbeit tatsächlich gebraucht (man ist fast wieder geneigt, zu sagen: ausgenutzt) wird. Das bestätigt auch der Chef des Landessportbundes, Christian Röhling, ohne Ehrenamt geht auch dort rein gar nichts.
Was lernt der ALA daraus? Ehrenamtliche sind wahrlich heiß umworben und können sich aus den vielseitigen Themen ihr Lieblings-Engagement tatsächlich aussuchen – das zeigt die gesamte Veranstaltung! Folglich sollte sich der ALA nach Außen hin selbstbewusst, souverän und attraktiv darstellen.
Ein weitere Erkenntnis aus den Beiträgen ist, dass heutige Ehrenamtliche meist eher privilegierte Mitbürger sind: weiß, gebildet, finanziell und mit Zeit und Mitteln für ein Engagament ausgestattet. Es sollten sich demnach noch viele weitere Lüneburger für ein Ehrenamt finden – mit anderem Ethnien, mit anderer Ausbildung und aus anderen Stadtvierteln. Ist das nicht auch ein Thema und Potential für den ALA?
Die Workshops:
In vier separaten Workshops werden unterschiedliche Themen für Vereine erarbeitet und erörtert. Teilnehmer um mich herum sind so unterschiedliche Menschen wie eine junge Stadtführerin aus Köln, zwei Omas gegen Rechts, der junge Gründer einer Community-APP und andere. Ein spannender Austausch!
Ich bin für das Thema „Netzwerken und Strukturen“ angemeldet und finde mich in der Untergruppe zum Thema „Digitalisierung“ wieder. Eine intensive Diskussion bestätigt hier eine gemeinsame Erfahrung: digitale Medien eignen sich sehr wohl zur Organisation (Messenger wie WhatsApp und Signal), zur Darstellung des Vereins (Webseite), zur Bewerbung und Diskussion tagesaktueller Themen (Facebook, Instagram). Kritisch gesehen wird allerdings die Gleichzeitigkeit und die manchmal überbordende Diskussion mancher Themen.
Neu für mich sind die zahlreichen digitalen Darstellung-Möglichkeiten für einen Verein wie uns: unter anderem auf Kultur-Info.de, im „Mitwirk-O-Mat“ der freiwilligen-Agentur-lueneburg.de und so weiter. Hier tauschen sich Vereine und Suchende aus – hier sollte auch der ALA sich tummeln, darstellen und anbieten.
Mein Fazit:
Das Ehrenamt ist top-aktuell. Es gibt viele „ehrbare“ Vereine und Initiativen in Lüneburg. Da ist der ALA in guter Gesellschaft – konkurriert aber auch mit vielen attraktiven Themen um interessierte Helfer!
Alle Vereine machen dieselben Erfahrungen auf der Suche nach neuen Mitstreitern. Es wird analog und digital kräftig vernetzt und connected – auch der ALA sollte alle Möglichkeiten nutzen.
Die Ehrenamt-Messe selber schafft nicht ausreichend Publikum, um Mitglieder zu akquirieren – ist aber ein gutes Forum, um als ALA Gesicht und zeigen und sich einzubringen.
Denn das persönliche Gespräch ist nach wie vor ideal zum Vernetzen – vor Ort hatte ich viele gute Gespräche für mögliche Kooperationen oder gegenseitige Unterstützung.
Zum Nachschauen:
Alle konkreten Inhalte der StadtKon 2026 kann man bei Interesse hier nachlesen.
Das komplette Video der Vorträge und Diskussion auf der Bühne lässt sich hier anschauen. Beides sehr interessant!
Link auf die Seite der Stadt Lüneburg: https://www.hansestadt-lueneburg.de/rathaus/oberbuergermeisterin/stadtkonferenz-2026.html
Axel Windhorst

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