Stadtgeschichten Juli 2026
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
als ich vor Wochen das Titelthema für diese Ausgabe überlegt habe und mit der Kamera losging wusste ich nicht, dass Sie der Rundbrief in einer Hitzewelle erreichen würde. Nun haben Sie also eine erfrischende Lektüre…
Vielleicht haben Sie schon gelesen, dass in Lüneburg ein Grüngürtel erarbeitet wird, der die Grünflächen der Stadt miteinander verbindet. Ich habe nun ein „Blaues Band“ kreiert, das sich vom Bahnhof durch die Stadt schlängelt und am Kalkberg endet. So können Sie bei hohen Temperaturen immer von einer Erfrischung zur anderen durch die Innenstadt gelangen. Die Trinkwasserspeicher habe ich nicht mit aufgeführt, die finden Sie in der neuesten Ausgabe des Städtischen Hitzeplans: https://www.lueneburg.info/sehen-erleben/lueneburg-erleben/lueneburg-bei-hitze
Beginnen wir das „Blaue Band“ also am Hauptbahnhof. Der schwarze Sprudelstein in der Mitte des Vorplatzes ist ideal, um die Unterarme hinein zu halten. Das Wasser ist ganz sauber und kühl. Auch die Tauben genießen es. Bis zur nächsten Station ist es nicht weit.
Wir gehen ins Wasserviertel und freuen uns an dem Springbrunnen, den Hotelier Henning Claassen vor dem Bergström platziert hat. Dargestellt sind 3 Kinder, die „Partner von Morgen“, ein afrikanisches Kind, ein asiatisches Kind und ein europäisches Kind spielen im Wasser. Vor einiger Zeit haben hier Vandalen zwei Figuren aus der Verankerung gerissen. Das afrikanische und das asiatische Kind fielen dem zum Opfer. Das europäische Kind blieb stehen…


Wir gehen zum Fischmarkt und die alte Viehtränke herunter. Dort fließt die Ilmenau ganz dicht an uns vorbei. Man kann sich auf die Steine setzen und die Füße ins Wasser baumeln lassen. Die Wasserqualität der Ilmenau ist gut, sogar ein Graureiher steht hier regelmäßig unter dem Mühlendurchfluss und fängt Fische. In meinem Mietvertrag vom Stintmarkt Nr. 5 stand sogar „Angeln aus den Fenstern verboten“. Was für ein Segen: Dieser wunderbare Fluss mitten durch unsere heiße Innenstadt! Allerdings sollte man nicht hineinwaten. Es sind so viele Scherben von den Stintbesuchern im Wasser, dass man sich verletzen könnte.


Über die Brausebrücke geht es weiter ein Stück die Ilmenau entlang. Durch die Scherenschleiferstraße, Papenstraße und Glockenstraße kommen wir zum Glockenhof, wo wir eine zeitlang verweilen können. Das viel kritisierte Wasserspiel in der Mitte ist ein großer Anziehungspunkt für Kinder, die gerne durch das Wasser laufen und klitschnass nach Hause gehen. Hier können Sie gefahrlos die Schuhe ausziehen und es den Kindern gleich tun – wenn gerade keiner zuschaut (oder gerade dann?).
Wir gehen durch die Scholze-Passage in die Bäckerstraße und genehmigen uns einen Schluck aus einem der Trinkwasserspender. Danach lädt auf dem Marktplatz der Luna-Brunnen ein, an seinem Wasser die Hände zu erfrischen. Schon seit dem 14. Jahrhundert steht ein Brunnen auf dem Marktplatz, um die damalige Bevölkerung mit Wasser zu versorgen. Nun versorgen uns Frau Luna bzw. die Jagdgöttin Artemis und einige Wasserspeier mit kühlendem Nass. In lauen Sommernächten sieht man gelegentlich feucht-fröhliche Kneipengänger im Brunnen herumplantschen…
Gut abgekühlt folgen wir dem Blauen Band in die Straße „Auf dem Meere“. Bei der SPD geht es rechts (!) um die Ecke. Dort sehen Sie, warum die Straße „Hinter dem Brunnen“ heißt. Ein unbekanntes oder übersehenes Kleinod wartet hier in einer Ecke darauf, entdeckt und genutzt zu werden. Ein wirklich schöner Brunnen plätschert dort vor sich hin – fast wie in Italien!


100 m zurück, dann 100 m rechts, dann 200 m links in die „Neue Straße“. Hier hat der Bürgerverein einen Brunnen gespendet. Umrahmt von mittelalterlichen Altstadthäusern bildet hier der verspielte Brunnen einen lebendigen Mittelpunkt. Freundliche Bewohner (Haus Foto rechts) haben zwei Klappstühle bereitgestellt, damit Passanten einen Moment am Brunnen Platz nehmen können. Nun müssen Sie entscheiden, ob Sie zurück in die Stadt gehen und ein Eis essen oder ob Sie noch Herrn Schlöbcke besuchen wollen, der einsam am Kalkberg auf uns wartet.
Der Schlöbcke-Brunnen liegt, wenn man „Auf der Altstadt“ und „Görgesstraße“ geradeaus geht, am Fuße des Kalkberges. Eduard Schlöbcke war Baurat in Lüneburg und hat in seinem Ruhestand dafür gekämpft, dass der Kalkberg 1932 als erstes Naturschutzgebiet im Regierungsbezirk Lüneburg ausgewiesen wurde. Nach vielen Jahren von Vandalismus und Verwahrlosung hat der Bürgerverein den Schlöbcke-Brunnen und die große Brunnenschale wieder herrichten lassen. Seitdem fließt das Wasser dort wieder. Vielen Dank. Die vielen Geschichten unserer Lüneburger Brunnen erzählt ein kleines, sehr lesenswertes Büchlein von Dr. Werner Preuß „Denkmale, Brunnen und Skulpturen in Lüneburg“. Unser Sommerspaziergang entlang des Blaues Bandes ist nun zuende.


Bei einem weiteren Streifzug durch die Stadt wollte ich nachschauen, ob im Wasserviertel an der Abtsmühle noch die Girlande mit violetten Plastikblümchen quer über das denkmalgeschützte Gebäude gespannt war. Der neue Betreiber des Mama Rosa wollte offensichtlich mit asiatischem Flair für sein Lokal werben. Wir als ALA hatten dies reklamiert. Und siehe da – die Girlande war entfernt und eine viel bessere Lösung gefunden.


„Stellmacherei Friedrich & Haefke (?)“ ist dort zu lesen. Ich musste erst nachschauen, was ein Stellmacher herstellt. Also – er fertigt Wagen, Räder und landwirtschaftliche Geräte aus Holz. All dies können wir Ihnen bei unserer Handwerkerstraße am 05. Und 06.09.26 in der Altstadt zeigen. Wir haben sogar einen alten Leiterwagen zu verkaufen! Damit wären wir also bei den Veranstaltungshinweisen.

Das o. g. Wochenende müssen Sie sich unbedingt freihalten, denn Lüneburg feiert ein besonderes Fest: Am 06.09.26 ab 11:00 Uhr gibt es auf dem Marktplatz ein „Kulturfest der Begegnung“ mit unseren Partnerstädten und einigen Hansestädten. Im „Café des Städtenetzwerkes“ können wir Delegationen aus verschiedenen Städten und Ländern kennen lernen. Diesmal ist die parallel stattfindende Handwerkerstraße mit dem Marktplatz verbunden. Auch bei der Handwerkerstraße können Sie sich auf neue Attraktionen freuen. Sie beginnt am 05.09.26 um 12:00 Uhr. Mehr dazu in den nächsten Stadtgeschichten. – Mein aktueller Tipp: Umgürtet mit dem Lüneburger GrünGürtel folgen Sie dem Blauen Band, dann bleiben Sie cool – auch wenn es heiß hergeht…
Herzliche Grüße
Magdalena Deutschmann
ALA-Stadtgeschichten
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