Stadtgeschichten Mai 2026
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
wie versprochen will ich Ihnen von der Stadtkonferenz am 09.05.26 berichten. Thema „Ehrenamt im Wandel“, untertitelt mit: Zukunft. Austausch. Miteinander – wie stärken wir unsere Ehrenamtlichen? Das frage ich mich immer noch. Mein ALA-Kollege Axel Windhorst (Marketing) hat ausführlich beschrieben, was er bei der Stadtkonferenz erlebt hat. Sie können es hier nachlesen: https://alaev-lueneburg.de/alawordpress/eindruecke-von-der-stadtkon-2026/ Wir beide ziehen ein positives Fazit, wenngleich aus völlig unterschiedlichen Positionen. Die Stadtverwaltung war ein guter Gastgeber bzw. Gastgeberin. Im Gegensatz zur Stadtkonferenz 2025 bekamen die Gäste genug Raum für Beteiligung, Diskussion und Kontakte. Ich hätte mir andere Arbeitsgruppen gewünscht, aber es wurde eine zweite Veranstaltung für Ehrenamtliche in Aussicht gestellt. Ich hoffe, dass dann auch die Themen zur Sprache kommen, die den Ehrenamtlichen Probleme bereiten. Denn sie haben es nicht immer leicht.


Zunächst möchte ich den Begriff „Ehrenamt“ entzaubern, denn geehrt werden die wenigsten und be-amtet sind sie auch nicht. Die Bezeichnung „Freiwilligendienst“ trifft es m. E. besser. Denn hier übernehmen Menschen freiwillig und ohne Bezahlung Dienste, für die der Staat, das Land, die Kommune kein Geld und kein Personal haben. Diese Arbeit macht genau so müde, kostet genau so viel Kraft und Zeit und Nerven, wie Erwerbsarbeit. Einen Freizeitausgleich gibt es nicht und eine Aufwandsentschädigung nur in den seltensten Fällen. Nicht jeder hat Verständnis für dieses Engagement. Familie und Freunde erwarten am Wochenende, dass wir Zeit für sie haben, und auch der Chef ist nicht begeistert, wenn Mitarbeiter montags erschöpft zur Arbeit kommen.
Ein gutes Beispiel für‘s Ehrenamt: Der Kurparkgottesdienst. Wenn niemand vorbereitet, niemand aufbaut, niemand Liederzettel verteilt, wenn kein Chor singt, keine Musik gespielt wird, kein Rettungsdienst aufpasst, wenn keine Kinderbetreuung stattfindet und wenn niemand später aufräumt – dann stünden die Hauptamtlichen vor vermutlich ziemlich leeren Reihen.


Was in meiner Arbeitsgruppe „Stadtteilarbeit“ deutlich wurde:
Alle sind auf der Suche nach einem Phantom: dem perfekten Freiwilligen (Fotos unten).
Die Wunscheigenschaften habe ich mitgeschrieben: Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, jung oder jünger, Organisationstalent, Beständigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Empathie, know how – auch im digitalen Bereich, Kraft und Energie und Einsatzfreude uvm. Und natürlich viel Zeit für den Verein oder die Aufgabe.
Da ich diesem Profil in keinster Weise entspreche habe ich den „Mitwirk-o-mat“ der Freiwilligenagentur des Paritätischen ausprobiert. https://www.freiwilligenagentur-lueneburg.de/mitwirk-o-mat Dort sind viele Lüneburger Anbieter für ehrenamtliche Arbeit verzeichnet. Mein Testergebnis: Als Freiwillige beim „Wir Garten“ wäre ich ideal… Falls Sie nur mal kurz in ein Ehrenamt reinschnuppern wollen: Beim ALA kann man für 4 Stunden bei der „Alten Handwerkerstraße“ (5./6.09.26) oder beim „Historischen Christmarkt“ (5./6.12.26) helfen https://alaev-lueneburg.de/alawordpress/machen-sie-mit/. Oder Sie melden sich als Wahlhelfer*in für den 13.09.26. Da gibt es sogar ein „Erfrischungsgeld“. https://www.hansestadt-lueneburg.de/rathaus/politik/wahlhelferformular.html … Stadtgeschichten können auch ziemlich traurig sein.


Ich wage es: Auf einer Radtour nahe Lüneburg kamen wir auf einen kleinen Stichweg, der hinter einem Wäldchen endete. Da sah es so aus: Vielleicht erinnern Sie sich an die Berichte über die Bauernfamilie, die 700 Tonnen Kartoffeln verschenkt hat, weil sie sie nicht mehr verkaufen konnten. Hier lag in etwa die gleiche Menge auf einem Feld und verdarb. Ich war total schockiert und habe noch tagelang daran gedacht und recherchiert. Ja, es gab in der Presse Informationen von einer Überproduktion aufgrund der guten Wetterbedingungen. Und dass die Biogasanlagen nichts mehr annehmen und als Tierfutter hätte der Produzent noch zuzahlen müssen. Diese großen Mengen zu verschenken hätte zur Folge, dass die reguläre Ware nicht verkauft wird und liegenbleibt. Mir ist auch keine Lösung eingefallen. Die Läger mussten geräumt werden und die Transport- und Energiekosten sind zu hoch. Bevor wir uns aufregen: In Deutschland wurden 2025 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittel als Abfall vernichtet. 58% davon aus Privathaushalten. Und ja, zur Spargelzeit wollen wir Frühkartoffeln und die kommen dann eben aus Ägypten oder Marokko.
Zurück zum Ausflug. Freud und Leid liegen ja dicht beieinander. So haben wir jemanden getroffen, die sich sauwohl gefühlt hat. Ein eigenes kleines Häuschen, viel Auslauf und ein Eimer kaltes Wasser und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Und man vergisst den Kartoffelberg schnell wieder. Das Thema „Ehrenamt“ nehme ich durch die Stadtkonferenz jetzt viel bewusster wahr. Warum arbeiten Menschen freiwillig – oft neben dem Beruf – und ohne Bezahlung? Fragen Sie sie einfach. Warum arbeite ich ehrenamtlich? Nun – die Stadtgeschichten geben mir einen Vorwand um stundenlang durch die Stadt zu streifen, gerne auch mit Leserinnen und Lesern. Und ich schreibe gerne. Und es ist beim ALA nie langweilig.


So haben Reiner Netwall und ich vor 3 Tagen mit einem Helfer eine alte Tür aus dem Keller des Gipsofens ans Licht befördert. Es ist zweifelsfrei eine Tür der ehemaligen Kettenstrafanstalt am Kalkberg, noch mit Zellennummer und Guckloch und schweren Eisenbeschlägen. Die Tür wollen wir der Herberge plus zur Einweihung ihres neuen Wohnhauses schenken. An dieser Einweihung haben wir am 29.05.26 teilgenommen. Der Neubau und die dazugehörige Außenanlage sind wirklich gelungen. Die Bauzeit wurde eingehalten und ganz viele Sponsoren und Ehrenamtliche haben unterstützt. Hier links übernimmt ein glücklicher Herbergsleiter Thorben Peters symbolisch den Schlüssel. Superintendent Christian Cordes sprach einen Segen für das Haus, die Bewohner und die Gäste. Wer den beeindruckenden Bau und die Geschichte der Herberge plus von der Kettenstrafanstalt zur modernen diakonischen Einrichtung kennen lernen möchte – wir bieten am 26.06.26 um 15:00 Uhr eine Führung an, die von der Pressebeauftragten Dörte Grimm geleitet wird. Anmeldung gerne schon jetzt, Einladung schreibe ich nächste Woche.
Turnusgemäß findet dann am Donnerstag, dem 04.06.26 um 19:00 Uhr der ALA-Stammtisch im Kapitelsaal hinter der Michaeliskirche statt. Noch eine spannende Veranstaltung: Am Dienstag, dem 30.06.26 um 17:00 Uhr präsentiert der Bürgerverein die Rot-Blau-Weiße Mappe im Museum, Marcus Heinemann-Saal. Da können Sie miterleben, wie die Stadtverwaltung zu Lob, Kritik und Verbesserungsvorschlägen der Bürger Stellung nimmt. Und last-not-least eine ganz tolle Aktion des Ortskuratoriums Lüneburg der Deutschen Stiftung Denkmalschutz: Wir bekommen die begehrte Wanderausstellung „Liebe oder Last – Baustelle Denkmal“ nach Lüneburg! 11.07. – 23.10.26). Ich habe die Ausstellung schon in Bremerhaven gesehen und war begeistert. Genau unsere Themen! Habe damals schon gesagt: „Das muss unbedingt nach Lüneburg!“ Ein Dank an Professor Lankisch, den Leiter unseres Ortskuratoriums. Liebe Leserinnen, liebe Leser, Sie sehen, in Lüneburg wird es niemals langweilig.
Einen schönen Sommer wünscht
Magdalena Deutschmann, ALA-Stadtgeschichten
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