Stadtgeschichten April 2026
Liebe Leserinnen und liebe Leser,
da sitzt man mit Kollegen draußen in einem Lokal in der Schröderstraße und plötzlich verfängt der Blick sich in diesem Jugendstilfenster. Ich darf es von innen fotografieren. Solche kleinen Schätze zu entdecken macht Lüneburg so liebenswert.
Verlieben könnte man sich momentan auch in den Kreidebergsee mit seinen blühenden Obstbäumen am Ufer und einem herrlichen Panorama von dem neuen Schwimmponton aus. Doch hier ist Vorsicht geboten, denn…


..der See hat es IN SICH ! Ich erinnere mich noch gut an die tiefe Grube, in der hier früher Kalk abgebaut wurde. Später stand ich mit meinem Vater vor dem Stacheldrahtzaun der Absperrung und sah, wie ein LKW nach dem anderen Bauschutt und Sperrmüll den Abhang hinunter entsorgte. Eine Müllkippe mit hohen Brombeerhecken und Wildwuchs umrandet. Von der Bevölkerung „Rattenloch“ genannt. Betreten streng verboten.

Im Stadtarchiv fand ich die Geschichte des Geländes, von dem schon 1408 der Kalkabbau urkundlich erwähnt wurde. Von 1934 bis 1964 wurde hier von dem Werk „Pieper & Blunck“ Düngekalk produziert (links, heute ist dort Medimax).

Interessant auch ein Foto von 1935. In der Zeit des Nationalsozialismus war auf dem Kreideberg ein Gauforum mit Paradestraßen und Aufmarschplätzen geplant. Die Aufnahme zeigt, was uns erspart geblieben ist.


Nach dem Abbruch des Düngekalkwerkes füllte sich die Tongrube mit Grundwasser. Bis 1983 wurde sie dann von der Firma „Salzgitter Chemie“ als Schutthalde genu
Danach begann die Stadt Lüneburg, das Gelände Schritt für Schritt in ein Naherholungsgebiet zu verwandeln. Viele seltene Pflanzen haben sich auf dem kalkhaltigen Boden angesiedelt. Wasservögel brüten im Schilfgürtel und kommen gerne auch als Wintergäste auf den See, der nicht zufriert. Spaziergänger können auf einem Rundweg Uferzonen, Streuobstwiese, eine Aussichtsplattform, die Gartenkolonie Moldenweg und zwei Spielplätze entdecken. Trotz der Idylle ist vom Baden im See abzuraten. Von dem Schwimmponton aus geht es 30 m senkrecht in die Tiefe…
Nach dem Fotoausflug geht es zurück in die Innenstadt. Beim Wochenmarkt hat sich ein Straßenmusiker niedergelassen. Ich höre gerne zu. Eine gute Stimme, schöne Musik und ein bisschen wie Urlaub im Süden. Nicht ganz so stimmungsvoll zwei Geschichten von Straßenmusikern aus früheren Zeiten: An einem trüben Tag auf dem Weg zu einem Termin hörte ich Musik vom Marktplatz herkommen. Dort stand ein alter LKW, drumherum eine große Gruppe, scheinbar eine Familie mit Kindern aller Altersstufen. Sie waren hippiemäßig bunt gekleidet und sangen und musizierten. Ich regte mich auf, dass die Kinder um diese Zeit nicht in der Schule waren, sondern herumvagabundierten. Das kleinste ging dann herum und sammelte Geld. Viel hat sie nicht eingenommen, denn es waren nur wenige Passanten stehen geblieben.
Einige Jahre später war die Kelly familiy so populär, dass die Westfalenhalle 9 x hintereinander ausverkauft war. Fünf der Kinder von einst sind international bekannte Solostars geworden. Das Geld sammeln jetzt die Konzertveranstalter ein…
Vor etwa 20 Jahren waren meine NDR 2 – Lieblings-Radiomoderatoren Ponik und Petersen morgens von 6:00 – 9:00 Uhr in kleinen Städten unterwegs. Lüneburg war eine der Stationen. Als Frühaufsteher stand ich um 7:00 Uhr auf dem Marktplatz zusammen mit einigen wenigen, die sich trotz Nieselregen und Kälte auf den Weg gemacht hatten. Die Moderatoren brachten bei diesen Live-Sendungen immer irgendeinen Sänger aus der Region mit. Ein sehr unscheinbarer, noch verschlafener und verwuschelter junger Mann kam mit Gitarre zum Übertragungswagen und sang ziemlich leise irgendein ruhiges, deutsches Lied. Schwacher Beifall. Irgendwie war es für alle zu früh. Heute füllt dieser Sänger das Volksparkstadion und begeistert ein großes Publikum. Es war und ist Johannes Oerding.

In der Nordlandhalle habe ich dann die damals bekannten Stars live erlebt. Als Platzanweiser und Saaldienst blickten wir oft hinter die Kulissen. So schimpfte Udo Jürgens wie ein Rohrspatz, dass er statt in einer Künstlergarderobe sich in einer Schüler-Umkleidekabine vorbereiten musste. Er kam trotzdem 6 x in die ausverkaufte Halle. Auch Mireille Mathieu, Karel Gott, BAP, Heinz-Rudolph Kunze und viele andere waren hier. Heino und Hannelore traf man im Glockenhaus Café.

Die sicher größten Events in Lüneburg waren die Festivals von „Rock over Germany“auf dem Flugplatz 1990, 1993 und 1995 mit bis zu
80 000 Gästen aus ganz Deutschland. Staus auf den Autobahnen wegen des Anreiseverkehrs zum Festival. Die großen Stars Prince, Tina Turner, Rod Stewart, Elton John, Joe Cocker, Duran Duran, Status Quo, Peter Maffay und Chris de Burgh waren tatsächlich in Lüneburg. Matsch und Regen haben dem Treiben 1995 ein Ende gesetzt.
Vom Flugplatz geht es nun wieder in die Lüneburger Altstadt. Dort haben wir vor einem Jahr Steffen Wolter zum neuen ALA-Vorsitzenden gewählt. Mich interessiert seine Bilanz nach einem Jahr ehrenamtlichem Dienst für unseren Verein. Hier seine Antworten:
Wie war dein erstes Jahr als Vorsitzender? Gut, aber nicht immer einfach. Ich bewege gerne etwas. Teilweise natürlich neben dem Beruf auch anstrengend. Ich habe in der Zeit viele nette Menschen kennengelernt und andere besser kennengelernt. Eine schöne Erfahrung.
Welche Aufgaben hat eigentlich ein Vorsitzender? Die letzte Verantwortung für alles übernehmen und einspringen, wenn etwas nicht funktioniert. Welche Wünsche hast Du für die Zukunft? Mehr Aktive im ALA und mehr Bewusstsein in der Stadt Lüneburg für unsere Denkmäler und das historische Stadtbild. Letzteres bei den Mitbürgern und besonders in der Politik.
Wer Steffen persönlich kennen lernen will: Die Stadtgeschichten-Leserinnen und Leser haben für Sonntag, den 26.07.26 eine Fahrt mit dem Ilmenau-Ewer genehmigt bekommen (kostet 25,00 €). Steffen wird uns persönlich als unser Matrose nach Bardowick begleiten. Einladung folgt…
Im Mai sehen wir uns sicher alle wieder auf der Stadtkonferenz in der Uni (09.05.26). Hier noch mal die Einladung: https://luene-blog.de/stadtkonferenz-lueneburg-ehrenamt-im-wandel-9-mai-2026/ Wenn die Stadtverwaltung uns Ehrenamtliche schon mal einlädt, dann sollten wir auch hingehen. Lassen wir uns überraschen!
Eure ehrenamtliche Stadtgeschichtenschreiberin verabschiedet sich nun und wünscht viel Freude im „Wonnemonat“
Eure Magdalena Deutschmann,
stadtgeschichten@alaev-lueneburg.de
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