Stadtgeschichten Januar 2026

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

„Millionen Babyboomer gehen in Rente“. Der Begriff „Babyboomer“ löst momentan Panik aus. Wer soll die Renten bezahlen? Wer soll die Arbeitsplätze besetzen? 1955 – 1969 wurden in Deutschland ca. 15 000 000 Kinder geboren (Wirtschaftsaufschwung, die Pille gab es erst ab 1965). Der Generationenvertrag kippt.

Es ist doch schade, dass die Menschen, die in den letzten 45 Jahren alles am Laufen gehalten haben, nur noch als Belastung dargestellt werden.  Babyboomer – wir freuen uns auf euch! Wir wissen eure Erfahrung, euren Fleiß, eure Kreativität zu schätzen. Jetzt seid Ihr die neuen Zeitzeugen! Enkelkinder, Familienangehörige, Freunde und viele Vereine sind sehr froh, dass es euch gibt. Denn ohne die, die nach ihrem Erwerbsleben in Familie und im Ehrenamt für andere da sind, wäre es kälter in unserer Stadt.

Aber nicht nur die Generation Z und die Wirtschaft blicken besorgt in die Zukunft. Auch viele derjenigen, die jetzt in den „Ruhestand“ gehen, fürchten die große Umstellung: „Werde ich mit nur 48% Rente (Pension 71,75%) meines bisherigen Einkommens meinen Lebensstandard halten können? Die durchschnittliche Höhe der Rente liegt momentan bei 1100,00 € (Frauen 902,00 €, Männer 1298,00 €), Pension durchschn. 2.600,00 €. Wäre es nicht besser, eine kleinere Wohnung zu nehmen? Ist es nicht sinnvoll, vom Land wieder in die Stadt zu ziehen, wo Kontakte und Kultur leichter zu erreichen sind? Und so träumen viele von der kleinen gemütlichen Altstadtwohnung, bezahlbar und mit netter Nachbarschaft.

Auch Student*innen; (max. Bafög 855,00 € netto), Auszubildende und Grundsicherungsempfänger*innen träumen diesen Traum. So steht ein großer Bedarf einem kleinen Angebot gegenüber.

In der Bestandsstatistik (01/24) sind für das Gebiet Altstadt 5731 Bewohner*innen verzeichnet. Davon 4127 nicht verheiratet. Das lässt auf viele kleine Wohnungen schließen. Was sich allerdings verändert hat sind die (gesetzlichen) Ansprüche an Größe und Ausstattung. 1990 war die Wohnfläche pro Person noch mit 35 m2 ausgewiesen, heute sind es 45 m2, jede weitere Person plus 15 m2. Auch würde kaum eine kleine Altstadtwohnung den heutigen Standards genügen. Erfahrungen in vielen Altbauwohnungen der unteren Preisklasse: Wärmedämmung: Fehlanzeige, Balkon, Terrasse: Fehlanzeige, behindertengerecht: Fehlanzeige, Doppelfenster: oft Fehlanzeige, Einbauküche: oft Fehlanzeige, Komfort im Badezimmer: oft Fehlanzeige usw. Vielmehr: Sehr steile Treppen, undichte Fenster, Klo in vielen Altstadthäusern noch separat (alte Bewohner erinnern sich an Klos im Hof), Wände so dünn, dass der Nachbar mithören kann. Natürlich gibt es auch schöne Wohnungen in der Altstadt, zum Beispiel Ferienwohnungen…

In der Zukunftswerkstatt „Effiziente Wohnraumnutzung im Bestand“ stellte Referent Arthur Haus von der GRÜNEN LIGA Berlin einige interessante Zahlen für Lüneburg vor: So sind ca. ¼ aller Wohnungen theoretisch unterbelegt. Es wurde auch dargestellt wie große und kleine Wohnungen in den Stadtvierteln verteilt sind. Erstaunlich: Die Wohnzufriedenheit ist unabhängig von der Größe der Wohnung! Mit Einverständnis von Herrn Haus kann ich Ihnen diese Unterlagen gerne mailen. Der Fachbereich Stadtentwicklung und das Wohnraumbüro laden am 25.02.26 um 18:00 Uhr zum Thema „Wohnen in der Innenstadt?!“ alle Interessierten in das TamTam (Bardowicker Straße) ein. Ein Einladungstext ist angefügt. Fragen zum Thema beantwortet auch gerne das Wohnraumbüro im Dialograum, Grapengießerstraße 47.

Nun gibt es sicher Einige, die sagen: Komfort und Romantik und undichte Fenster sind mir egal, ich brauche eine Wohnung! Und manchmal klappt es dann auch. Und das sieht dann so aus: links „Hurra! Wohnung gefunden!“

Im Wettbewerb um bezahlbaren Wohnraum werden meist die verdrängt, die ihn vielleicht am nötigsten haben. Obwohl wir sie fast täglich sehen. Denn sie haben keine Wohnung, in die sie sich zurückziehen können: Die Wohnungslosen. Ca. 100 von ihnen sind beherbergt in der Herberge plus oder in Gemeinschaftsunterkünften. Gerade wird um eine Tagesaufenthaltsmöglichkeit gerungen.

Für 36 Wohnungslose gibt es einen Hoffnungsschimmer. Im Mai soll auf dem Gelände der Herberge plus ein neues Wohnhaus eingeweiht werden. Wir waren diese Woche vor Ort.

Immer noch ist das Gelände mit den Erinnerungen an die ehemalige Kettenstrafanstalt verknüpft. Dabei war dort ab 1931 die Städtische Jugendherberge untergebracht: Zur Eröffnung hieß es: „Dass die Stätte der Verzweiflung und der Trauer verwandelt werden soll in einen Ort, an dem lebensfrohe Jugend sich tummelt und Kräfte sammeln soll zum Bau an unserer Zukunft“ (Lüneburgsche Anzeigen 15.01.31).

Die Jugend ist nun schon lange wieder weitergewandert aber das Haus ist offen geblieben. Die hohen Mauern des Gefängnisses wurde abgesenkt und sind nun wunderschön restauriert von der Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Das große weit offene Tor ist eine Einladung, hinein zu kommen. Auf dem Gelände herrscht reger Betrieb: Kunden der Tiertafel holen gleich rechts das Futter für Hund und Katze. Grünwerker kurven mit ihren Transportern herum. Im Keller in der Wäscherei wird gebügelt und gemangelt und die Bauarbeiter am Neubau trotzen Frost und Schnee. Dörte Grimm vom Lebensraum Diakonie lädt uns herzlich ein, uns nach der Einweihung im Mai durch das Gelände zu führen. Ich erzähle ihnen dann auch von der alten Kettenstrafanstalt und weitere Geschichten zu diesem besonderen Ort. Termin in einer der nächsten Stadtgeschichten.

Noch ein kleiner Mutmacher zum Schluss: Ich gehe oft an diesem Schild vorbei und sehe einen großen Wohnkomplex in die Höhe wachsen. Bald werden die 41 Wohnungen (geförderter Mietwohnungsbau gegenüber LüWoBau) fertig sein.

Wie immer zum Schluss einige Veranstaltungsinformationen: Unsere Wasserviertelführung am 08.02.26 ist mit 40 Personen ausgebucht. Alle Angemeldeten bekommen noch eine schriftliche Mitteilung zum Ablauf. Aufgrund der großen Nachfrage haben wir nun einen 2. Termin für diese besondere Führung organisiert und zwar am 22. März 2026, wieder um 14:30 Uhr auf der Brausebrücke. Interessenten sende ich gerne eine Einladung zu und nehme schon jetzt Anmeldungen entgegen.

Sicher treffe ich einige von Ihnen bei der Veranstaltung am 25.02.26 um 18:00 Uhr „Wohnen in der Innenstadt?!“. Und da Sie fast alle ehrenamtlich tätig sind, ist die Stadtkonferenz am 09.05.26 mit dem Thema „Ehrenamt“ sicher ein wichtiger Termin. Dazu mehr in den nächsten Stadtgeschichten.

Nun muss ich mich erst einmal erholen von meinem selbst gewählten Ehrenamt. Ich hoffe, dass die Lektüre pünktlich bei ihnen eintrifft und nicht wieder im SPAM-Ordner landet.

Mit herzlichen Grüßen von
Magdalena Deutschmann 

stadtgeschichten@alaev-lueneburg.de

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