Stadtgeschichten November 2025
Liebe Leserinnen und liebe Leser,


wie kommt dieser freundliche Mann auf dem linken Foto auf unsere Titelseite? Nun, weil wir dankbar sein können, noch persönlich bedient zu werden. Die Zukunft sehen sie rechts. Die Firma „Nordsee“ stellt offensichtlich ihre Restaurants auf Automaten um (links Filiale Lüneburg, rechts Hannover Hauptbahnhof). Also kein „Was hätten Sie denn gerne?“ Oder: „Ich empfehle ihnen heute.“ Oder „Guten Appetit, lassen sie es sich schmecken“. Der Bauch wird gesättigt, die Seele bleibt hungrig. Auch die Burger-Restaurants werden schon umgestellt. Genießen wir also Service, Atmosphäre und persönliche Ansprache in unseren Lokalen. Es ist nicht mehr selbstverständlich.
Beim Schreiben der „Stadtgeschichten“ bietet mir in Windows 11 immer ein KI-Assistent seine Hilfe an. Sind also diese Texte überhaupt von mir? Das können Sie ganz leicht überprüfen: Ich mache Feler. Fehler und Unvollkommenheiten sind menschlich (nicht nur in der Rechtschreibung!). Auch die Fotos machen wir selber (ausgen. Stadtarchiv) und wenn Sie an die Stadtgeschichten mailen sitzt da ein lebendiger Empfänger, eine Empfängerin, die sich meistens freut. Unser Bürotelefon ist montags von 15-17:00 Uhr von der netten Britta Schulz besetzt. Also kein Automat, der sagt, drücken sie die 1, wenn sie eine Frage haben oder drücken sie die 2, wenn sie Mitglied werden wollen usw.

Nun wollen wir den Fortschritt nicht verteufeln. Früher war nicht alles besser. Aber es schmerzt schon zu sehen, wenn z. B. unsere einstige Weltfirma „Lucia Strickwarenfabrik“ abgerissen wird. Sie gab hunderten Lüneburger*innen viele Jahre einen sicheren Arbeitsplatz, die Strickmodelle waren für ihre hohe Qualität bekannt, in wirtschaftlich gesunden Zeiten machte die Belegschaft Betriebsausflüge z. B. nach Paris! Die Produktion wurde später ins Ausland verlagert…

Genau gegenüber hat das alte Schützenhaus überlebt! Unglaublich, was sich hier an Stadtgeschichte alles ereignet hat. 1870 als Haus der Schützengesellschaft erbaut, wurden hier die Schützenfeste gefeiert. Auf dem Schützenplatz davor standen nach dem 2. Weltkrieg Baracken, die 1964 abgebaut wurden. Im Schützenhaus fanden die großen Treffen der Vertriebenenverbände statt. Von der Eichenbrücker Vereinigung kamen hier bis zu 600 ehem. Eichenbrücker aus der ganzen Umgebung zusammen. Nach der Nordlandhalle mit 1600 Plätzen war das Schützenhaus das zweitgrößte Haus für Veranstaltungen in Lüneburg. Gastronomie und eine große Bühne ermöglichten eine vielfältige Nutzung. Es gab Tanzveranstaltungen, Konzerte, z. B. von Karat und den Puhdys und sogar Frauenboxen! Gekämpft wurde dort auch bei Wahlkampfveranstaltungen – um jede Stimme.

Ich erinnere mich gut an den Auftritt eines jungen, aufstrebenden Politikers, in Turnschuhen und sehr frech. Alle wollten ihn sehen. Es war Joschka Fischer! Die Zeiten änderten sich und die Zukunft des Schützenhauses war ungewiss, bis ein Biomarkt einzog und viele Jahre dort Naturkost anbot. Auch diese Zeit ging vorbei, das Haus stand leer. Was für ein Glück für das Paul-Gerhardt-Haus, das gerade dringend nach einem Übergangsquartier suchte. Nun können hier die rund 120 ehrenamtlich Engagierten unter der Leitung von Diakonin Antje Stoffregen ihre Angebote wie die Kindertafel, der LernRaum, das Paul-Gerhard-Café und vieles mehr aufrechterhalten. Heute gab es dort einen Adventsmarkt mit Kaffeetafel und vielen fröhlichen Gästen. Wie gut, dass es das Schützenhaus noch gibt…


Und noch einen neuen Anfang gibt es in einem alten Haus. Eigentlich sind es zwei Gebäude, die zusammengehören: Die Häuser Nr. 46/47 Am Sande. Datiert schon ab 1505! Viele prominente Namen findet man unter den ehem. Eigentümern: Ratmann Johann Brandes, Brauerfamilie Schröder und der spätere Bürgermeister Hartwig Friedrich von Töbing. Nach einem Weißbäcker und einem Mühlenbesitzer (1861) folgte vor über hundert Jahren Ernst Wist und dann sein Schwiegersohn und Nachfolger Ernst Joachim Petersen als Chef des beliebten Lebensmittelgeschäftes im Haus Nr. 46. Beide Grundstücke reichen bis in die Glockenstraße, rechts ein Wirtschaftsgebäude, das als Lager genutzt wurde.


Nun wird das ehemalige Lebensmittelgeschäft zu einem Café umgebaut. Bei diesen Arbeiten wurden unter einer abgehängten Decke wunderschöne Malereien (wieder-)entdeckt. Wir durften auf Einladung des Ortskuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Restaurierungsarbeiten besichtigen und haben beschlossen, diese Restaurierung mit einer Spende aus den Einnahmen des Historischen Christmarktes zu unterstützen. Sie werden dann später im Café die wunderschönen Allegorien der Tugenden über ihren Köpfen bewundern können.
Sie erhalten den Rundbrief zu Beginn der Adventszeit. Für uns als ALA ein Höhepunkt des Jahres, denn wir Ehrenamtlichen dürfen Gastgeber sein und Sie alle einladen. Auf unserem Christmarkt rund um die Michaeliskirche können Sie am 06. und 07.12.25 getrost Ihre Handys ausschalten. Wir entführen Sie in eine Zeit, in der man sogar noch ohne Strom fröhlich und zufrieden sein konnte. Alle 5 Sinne dürfen hier einmal auftanken: Sehen: Männer und Frauen in schönen Gewändern. Hören: Nichts bis auf die Glocken von St. Michelis, leise Gesänge und dem Gemurmel der Gäste. Riechen: den Duft aus dampfenden Kesseln mit Würzwein und Punsch. Schmecken: Renaissance-Bratwurst, knusprige Heydelinge, Schmalzbrote, geröstete Maronen und dazu ein „Liqueurchen“ vom Stand der Stadtarchäologie. Fühlen: Weiches aus Wolle und Filz, Holz, Glas, Eisen, Ziegelsteinschmuck …

Für die, die es lieber etwas besinnlich mögen, öffnen wir auch in diesem Jahr die Tür unseres historischen Kapitelsaales im Rahmen der Aktion „Lebendiger Adventskalender“ von St. Michaelis. Am 13.12.25 um 18:00 Uhr heißen wir alle Anwohner und auch Sie zu einer Adventsandacht willkommen. Das Programm wird gestaltet mit weihnachtlicher Geschichte, Liedern, warmen Getränken, kleinen Leckereien und natürlich Gebet und Segen. Im vergangenen Jahr hat sogar ein Trompeter unsere Gesänge begleitet. Auch Kinder sind herzlich willkommen. Nach ca. 25 Minuten ist der offizielle Teil beendet und Sie können dann gerne noch etwas verweilen.

Für Weihnachtsgrüße und -wünsche ist es jetzt noch ein bisschen früh. Deshalb, liebe Leserin, lieber Leser, besuchen Sie Inga Whiton und mich doch auf dem Christmarkt am 06. Dezember von 15-19:00 Uhr am ALA-Infostand. Gerne bekommen Sie dann einen lieben Weihnachtsgruß und beim Stichwort „Stadtgeschichten“ auch ein gefülltes Lebkuchenherz oder alternativ einen Haferkeks.
Ich freue mich auf Sie.
Magdalena Deutschmann
Arbeitskreis Lüneburger Altstadt
Stadtgeschichten
stadtgeschichten@alaev-lueneburg.de

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